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ERP-System anpassen oder Prozesse ändern? Warum Standard oft besser ist

Viele Unternehmen möchten ein ERP-System an ihre bestehenden Abläufe anpassen. Oft ist jedoch der umgekehrte Weg sinnvoller. Dieser Beitrag erklärt, warum der ERP-Standard in KMU häufig die bessere Wahl ist.

Serie: ERP-Einführung in der Praxis
Dieser Beitrag ist Teil einer 5-teiligen Serie zur ERP-Einführung in KMU.

Der Wunsch nach individueller Anpassung

Bei ERP-Projekten taucht fast immer die gleiche Frage auf:
„Kann das System so angepasst werden, dass es genau zu unserem bisherigen Ablauf passt?“

Technisch ist vieles möglich. Moderne ERP-Systeme lassen sich konfigurieren, erweitern und teilweise stark individualisieren. Genau hier liegt aber auch ein Risiko.

Jede Anpassung hat Folgekosten

Individuelle Anpassungen klingen zunächst attraktiv. In der Praxis bringen sie jedoch oft:

  • höhere Einführungsaufwände

  • komplexere Updates

  • Abhängigkeiten von einzelnen Dienstleistern

  • schwer nachvollziehbare Sonderlogik

Was heute als kleine Anpassung beginnt, kann das System langfristig komplizierter und teurer machen.

ERP-Standards sind nicht zufällig entstanden

ERP-Systeme bilden bewährte Geschäftsprozesse ab.
Viele Abläufe im Einkauf, Verkauf oder in der Buchhaltung sind branchenübergreifend ähnlich.

Der Standard ist oft das Resultat aus:

  • langjähriger Praxiserfahrung

  • vielen Kundenrückmeldungen

  • erprobten Best Practices

Wer sich am Standard orientiert, profitiert von diesem Wissen.

Prozesse hinterfragen lohnt sich

Ein ERP-Projekt ist eine gute Gelegenheit, bestehende Abläufe kritisch anzuschauen:

  • Welche Schritte sind wirklich nötig?

  • Wo gibt es Medienbrüche?

  • Was wurde „schon immer so gemacht“?

Oft zeigt sich: Der Prozess kann einfacher werden, wenn man sich am System orientiert.

Wo Anpassungen sinnvoll sind

Das heisst nicht, dass Anpassungen grundsätzlich falsch sind.
Sinnvoll sind sie dort, wo:

  • echte Alleinstellungsmerkmale bestehen

  • branchenspezifische Anforderungen vorliegen

  • gesetzliche Vorgaben es erfordern

Entscheidend ist ein bewusster Umgang damit.

Fazit

Ein ERP-System sollte nicht jede historische Besonderheit abbilden. Wer den Standard nutzt und Prozesse gezielt vereinfacht, erhält ein stabileres und wartbares System.

Pragmatische Lösungen sind langfristig oft die erfolgreicheren.

Ein ERP-Projekt ist auch eine Chance zur Vereinfachung – nicht nur zur Digitalisierung bestehender Komplexität.


Serie „ERP-Einführung in der Praxis“

  • Teil 1: ERP-Einführung im KMU: Warum es kein reines IT-Projekt ist
  • Teil 2: ERP erfolgreich einführen: Warum Mitarbeitende entscheidend sind

  • Teil 3: ERP-System anpassen oder Prozesse ändern? Warum Standard oft besser ist

Fragen zum Thema?

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